
- Pixel sind die Bausteine jeder Corporate Website - jaylopez
Für den Aufruf von Corporate Websites gibt der Nutzer vor einigen Jahren noch die volle Internetadresse ins Browserfenster ein. Die Suche über Suchmaschinen wie Google löst diese Vorgehensweise weitgehend ab. Jetzt macht Facebook der Monopolstellung von Google – in Sachen Steuerung von Bewegungsströmen im Netz – gehörig Konkurrenz. Denn immer mehr Surfer bewegen sich aufgrund von Empfehlungen durchs WWW. Darum müssen Corporate Websites im Social Web Gesprächsthema bleiben.
Wie wird in Zukunft eine Corporate Website gefunden, wenn Suchmaschinen als Torwächter zum World Wide Web an Bedeutung verlieren? Und Websites vermehrt durch persönliche Empfehlungen – anstatt aufgrund knackiger Headlines bei Google AdWords-Anzeigen – aufgerufen werden? Will eine Corporate Website auch weiterhin möglichst viel Traffic bekommen und eine polymorphe Zielgruppe ansprechen, lohnt es sich, die eigene Präsenz im Web erfolgreich mit dem Social Web zu verzahnen. Die geschlossene Struktur der Corporate Website wird aufgebrochen und öffnet sich der Netzgemeinde.
Die Corporate Website von morgen
Corporate Websites sind keine Gefäße mehr, in denen möglichst viel Inhalt untergebracht wird und die den interessierten Nutzer dann – trotz Strukturierung – recht alleine lassen. Vielleicht ist sie schon bald vorbei, die Ära der statischen und sterilen Seiten. Heute müssen Corporate Websites den Besucher zum Mitmachen und zur Interaktivität einladen. Nur so fesseln sie seine Aufmerksamkeit und bleiben im Gespräch.
Die Corporate Website des amerikanischen Süßwarenherstellers „Skittles“ bildete eine Zeit lang sogar nur nutzergenerierte Inhalte ab. Der sogenannte Social Media Hub von „Skittles“ war auf einen Navigationsbereich reduziert, der nur auf bekannte Social-Media-Anwendungen mit der entsprechenden Suchabfrage „Skittles“ weiterleitete. Genauer betrachtet, bedeutete dies, dass jeder Tweet mit dem Hashtag „#skittles“ in der Timeline von Skittles.com platziert wurde. Jeder noch so verrückte User bekam so eine bedeutende Markenplattform im Web für den Inhalt seiner Skittle-Tweets. Es war das erste Mal, dass eine derart bekannte Marke wie Skittles ihr Image im Web nur aus Social Media-Meinungen aufbaute. Diese Website aus rein nutzergenerierten Inhalten wurde allerdings wieder eingestellt. Vermutlich, weil das Unternehmen nicht mehr als Identitätsstifter fungierte, sondern das Markenfeld vollkommen den Konsumenten überließ.
Langweilig wird es bei skittles.com dennoch nicht. Zurzeit läuft in einer Endlosschleife die Aktion „Experience the Rainbow“ mit der Aufforderung „Taste the Rainbow“, die synonym für die verschiedenen Geschmacksrichtungen der einzelnen Skittles-Perlen steht. Der Nutzer wird dazu animiert, die etwas skurrilen Inhalte und Features der kunterbunten Website – Videos, Bilder oder Spiele – mit seiner Community zu teilen. Was Skittles damit erreicht, ist so einfach wie genial: Die virale Idee „Experience the Rainbow“ bleibt im Gespräch und sorgt im Social Web nach dem Motto „diese Website müsst ihr Euch anschauen“ für heitere Stimmung. Der Nutzer hat das Gefühl, dass er mithilfe von Skittles Geschichten erzählen kann, die ihm in seinem persönlichen Netzwerk Reputation einspielen.
Empfehlungsweb
Rund neunzig Prozent der Surfer beginnen ihre Suche über Suchmaschinen wie Google, anstatt eine www-Adresse einzugeben. Weiterhin bleibt es also relevant, an welcher Stelle ein Unternehmen im Google-Ranking erscheint. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Suchmaschinen-Suche zukünftig an Bedeutung verlieren wird, weil sich der Trend hin zu einem Empfehlungsweb verschiebt. In einigen Bereichen beginnt Facebook schon heute Google als Top-Referrer den Rang abzulaufen. Nicht verwunderlich, dass Facebook zur Top 5 der meistbesuchten Webseiten der Welt gehört. Nur Suchmaschinen wie Google und Yahoo verzeichnen derzeit noch mehr Traffic. Wobei es immer wieder Tage gibt, an denen Facebook an Google vorbeizieht und doch mehr Klicks bekommt.
Dieses Nutzerverhalten zeigt, dass Surfer in Zukunft weniger nach bestimmten Inhalten suchen werden, sondern sich vielmehr infolge von Empfehlungen durchs Web treiben lassen. Im Englischen gibt es für jenes Verhalten einen eigenen Begriff: „Serendipity“. Frei übersetzt bedeutet er, dass Netzinhalte eher zufällig aufgestöbert werden und eben nicht mehr aktiv nach Inhalten über Suchmaschinen gesucht wird. Konkret heißt das, es werden diejenigen Links angeklickt, die Freunde auf ihrer Pinnwand posten oder über Twitter der Netzgemeinde vorschlagen.
Reine Markenkoexistenz im Web
Den extrem radikalen Ansatz weg von der Corporate Website hin zur reinen Markenkoexistenz im Social Web lebt die amerikanische Agentur BooneOakley. Die Corporate Website der Agentur spielt sich komplett in YouTube-Videos ab. Denn anstatt einer herkömmlichen Website für die einzelnen Geschäftsbereiche gibt es einige YouTube-Videos zur Agentur, die wiederum untereinander verlinkt sind. Wer vom Hauptvideo zu den Kontaktdaten kommen möchte, klickt einfach auf „Contact us“ und gelangt zu einem weiteren Video, das die Kontaktdaten abspielt. Zusätzlich zum YouTube-Kanal kommuniziert BooneOakley über Twitter mit seinen Kunden.
Sicherlich ist der extreme Denkansatz, dass die Marke nur noch das ist, was die Nutzer über sie im Social Web sagen, ein kaum lebensfähiger Gedanke, da das Feld der Corporate Website ganz dem Kunden überlassen wird. Auch in Zukunft wird die Corporate Website zentraler Ankerpunkt für alle Webaktivitäten eines Unternehmens bleiben. Solange es sozialen Netzwerken nicht möglich ist, komplexe Websites mit zahlreichen Unterseiten, PIM-basierten Katalogsystemen und Konfiguratoren abzubilden, ist die Existenz der klassischen Corporate Website nicht gefährdet. Doch wer weiß, was soziale Netzwerke bald schon können.
